Klett-Cotta-Verlag Psychology
Theorie und Praxis

Konflikt und Entscheidung

Zur Lösung psychischer und sozialer Konflikte in der Arbeitswelt


Juli 2017, 06. Jahrgang, Heft 3, pp 204-217

DOI 10.21706/kd-6-3-204



Zusammenfassung
Vorgestellt wird ein kompaktes, logisch und systemtheoretisch begründetes Modell, um manifeste und latente, psychische und soziale Konflikte zu lösen. Das Konflikt-Lösungs-Modell (KLM) dient dazu, die differenzierend strukturierte Kommunikation mit Klienten und Partnern professionell zu gestalten. Dieser zeit- und raumbezogene Prozess kann formgleich in Beratung, Mediation und Therapie durchgeführt werden. In diesem Beitrag wird beschrieben, wie das KLM in der Arbeit mit Klienten und Partnern in der Arbeitswelt angewandt werden kann. Im Falle latenter Konflikte zielt er zunächst darauf, Konflikte zu rekonstruieren, um daran anschließend passgenaue Lösungen zu konstruieren. Das KLM verbindet die theoretischen Positionen des Differenzdenkens George Spencer-Browns, der Aussagenlogik und der Systemtheorie Niklas Luhmanns mit systemisch-lösungsorientierten Vorge-hensweisen. Es geht davon aus, dass ein Konflikt auf die Gegenüberstellung zweier Seiten bzw. den Gegensatz zweier Werte zurückgeführt werden kann und mit Blick auf seine Lösung auf lediglich zwei zurückgeführt werden sollte. Das KLM zeigt, dass es bei zwei alternativen Werten nicht nur zwei, sondern prinzipiell 16 Lösungsmöglichkeiten gibt. Dieser Möglichkeitenraum lässt sich durch eine logische Kombinatorik eröffnen. Lösungsmöglichkeiten zu erweitern ist die Voraussetzung, um eine Entscheidung zu treffen, d. h. eine Lösungsmöglichkeit auszuwählen. Konkret kann sie mit beliebig vielen unterschiedlichen Inhalten gefüllt sein.

Abstract
Conflict and Decision – Settling psychic and social conflicts
The article proposes a compact model for settling manifest and latent psychic and social conflicts. The model itself is based on logic and systems theory. The Conflict Settlement Model (CSM) serves as an aid in the professional management of differentially structured communication with clients and partners. As a time- and space-related process it can be conducted in its original form in counselling, mediation and therapy. In the case of latent conflicts, the initial aim is to reconstruct the relevant conflicts, proceeding from there to design solutions specifically tailored to the problem. The CSM combines the theoretical positions of George Spencer-Brown’s differential thinking and the statement logic and systems theory of Niklas Luhmann with systemic, solution-oriented procedures. It works on the assumption that a conflict can be traced back to the confrontation between two sides or the opposition between two values. With regard to the settlement of the conflict, those two sides/values are indeed the only ones it should be traced back to. The CSM shows that for two alternative values there are not only two potential solutions, but in fact sixteen. This field of potentialities can be accessed by means of logical combination. Extending the number of potential solutions is the precondition for a solution, i.e. the selection of one such solution. In concrete reality it can however be filled with any number of different contents.

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https://doi.org/10.21706/kd-6-3-204

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